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Writing | Comedy/Satire | "shortkatz" Intro

"shortkatz" Intro
by Tony Caulfield, 30.06.2010

[Der folgende Text wurde als Intro für mein Programm "shortkatz" geschrieben - eine Lesung von kurzen Texten erstmals performed anläßlich der "Langen Nacht der Kultur" in Kaiserslautern, am 26.06.10, vor dem Atelier fingerspitzundkunst.]

Der Titel meines heutigen Programms lautet "shortkatz". Die Idee stammt von Caro Parsons wofür ihr hiermit gebührend gedankt sein.

"shortkatz" gefiel mir auf Anhieb. Ein interessant klingender Titel für eine Lesung von kurzen Texten, die aus dem Archiv bzw. der - von den Umständen anerzogenen - Wahnwelt des Autors herausgeschnitten wurden, und damit - die Narrenfreiheit erlaubt es - nichts erkennbares mit dem Titel zu tun haben müssen. Kunst darf unverstanden bleiben und ist es unverständlich, dann ist es eben Kunst,...falls jemand fragen sollte.

Die Akzeptanz dieser meiner eigenen Betrachtungen hätte dem Publikum einen weiteren Erklärungsversuch des Titels erspart. Verzeihung, aber das Glück haben Sie leider nicht.

Weil ich etwas langsam bin, wurde mir die Bedeutung des Titels, zumal in der vorgeschlagenen Schreibweise "short-K.A.T.Z" erst im Nachhinein bewußt. "shortkatz" heißt - rein phonetisch verstanden - unter anderem "Abkürzungen" oder auch "Schnellverfahren". Wir alle suchen unabläßlich Abkürzungen zum Glück, um das Leben als solches irgendwie erträglich zu machen.

Die wenigsten gehen dabei den konsequenten Weg des Freitodes. Auch wenn uns die Religionen das Paradies nach dem Ableben versprechen - oder bei schlechter Führung das Gegenteil davon, wie wir anschließend noch hören werden - so ist unser Glaube doch sehr weltlich orientiert in sofern, daß wir uns sehr schwer tun, von der Illusion Abstand zu nehmen, man könne das Glück eventuell auch im Diesseits noch finden, zumindest für ein paar Momente, bevor wir das bißchen Geist aushauchen, das wir zu besitzen glauben.

Der Mensch hat im groben und ganzen zwei Eigenschaften, 1. kommt er nicht sehr gut mit seinesgleichen aus, 2. ist er ein Herdentier. Wo der Herdentrieb über die Erkenntnis der Inkompatibilität mit anderen Vertretern der eigenen Spezies triumphiert - und dies ist meistens der Fall - suchen wir unsere shortkatz zum Glück in der Vernetzung.

Ein Hund (zum Gegenteil komme ich bald) würde es auch tun, aber nein, wir wollen uns partout mit anderen Menschen umgeben. Wir erhoffen uns Schmerzvermeidung, wenn nicht gar törichterweise Lustgewinn durch Kommunikation, Freundschaft, ja sogar im Versuche Liebesbeziehungen einzugehen. Dies führt allerorten zu unschönen Szenen.

Mit dieser Feststellung sind wir bei der "Katz" in shortkatz angelangt. Und nun macht das alles einen Sinn.

Wer diese Meinung nicht teilt...Gratulation, Sie sind mitten im Thema angelangt. Ein Mensch versteht nämlich meist nicht, was der andere meint und weil an dieser wie an jeder Situation immer jemand schuld sein muß, hat unser Bewußtsein uns das Konzept der Identität geschenkt. So wissen wir nun, wer wir selbst sind und damit auch wer grundsätzlich schuld ist: die anderen.
Und immer und überall: die Katz!

Die Katz ist ein miauendes Raubtier, das allerorten Verwirrung und Unbill stiftet, bis hin zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Katz kann nämlich nicht kommunizieren. Jeder Versuch das Gegenteil zu beweisen, endet stets vergeblich und war - wie der Volksmund richtig sagt - "für die Katz".

Wenn sie knurrend ihre Abneigung signalisiert und den armen Hund damit verstört, der ihr doch garnichts getan hat, dann heißt das "Schnurren" und ist ein Zeichen des Wohlbehagens und der Offenheit. Natürlich wird das falsch verstanden, woraufhin die Katz dann auch sehr beleidigt reagiert.

Steigert sich diese selbstverschuldete Stimmung bis zum Zorne hin, so wedelt sie mit dem Schwanz. Das sollte selbstverständlich heißen: "ich bin gut gelaunt und möchte spielen". Tut es aber nicht! Weh dem armen Hund, der sich ihr in diesem Moment nähert.

Menschen bestehen aus Hunden und Katzen. Also aus domestizierten Opfern und kommunikationsunfähigen Raubtieren. Damit wäre die Schuldfrage an der Gesamtsituation geklärt.

Nun zu den Versuchen, uns eben diese bis zum Moment unseres Ablebens erträglich zu machen: Die folgenden Texte benennen einige vermeintliche shortkatz zum Glück. Das Höllenbild des Christentums als Incentive, sich im Diesseits doch bitte - im eigenen Interesse - lieb und rechtschaffen zu verhalten; visionäre misanthropische Projekte zur Reduktion des Übels in der Welt (ja, Sie haben richtig gehört: misanthropisch; denn der Philanthrop muß heutzutage über ein gesundes Maß an Abscheu vor den Menschen verfügen...oder sehr, sehr naiv sein); und natürlich: Drogen!

Die Androhung der Hölle und der Humanismus (wie auch dessen Gegenteil) haben versagt das Gesamtproblem des Hund/Katz-Verhaltens der Menschen zu lösen und damit das Leben flächendeckend lebenswerter zu machen. Auch Drogen vermögen dies letzlich nicht zu leisten, doch das merkt man nicht so, hat man ausreichende Mengen der richtigen davon auf Lager.

Ja, diese Lesung ist politisch inkorrekt, untragbar und unverantwortlich. Sollte das nach dieser pseudopsychologischen Einleitung noch nicht klar geworden sein, folgt gleich eine semiliterarische.

Laut Paul Watzlawick kann man nicht nicht kommunizieren. Wenn also jemand behauptet der Ausspruch stamme eigentlich von Marshall McLuhan und ich ihm daraufhin schweigend auf die Nase haue, dann ist auch dies eine Art der Kommunikation.

Im Sinne von "man nicht nicht kommunizieren" trägt dieser erste kleine, spontan aus dem Leben herausgeschnittene Text den Titel:


Kommunikation

"Sag mal, kannst Du Deine Abscheu gegen die Menschen nicht mal irgendwie so ganz klar und kurz und bündig ausdrücken? Ich meine so irgendwie, daß es auch verständlich ist und nicht immer so...so...wie ein verschrobener Kautz?"

"Warum kann eine Katze nicht mehr so sein wie ein Hund?"

"...Hä?! Was soll den das jetzt bedeuten?"

"Ja!"

"Ja?...WAS???"

"Ja, Mam!"


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