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Writing | Lyric Poetry | dir träumte meines toten früher antwort


Lyrik (Lyric Poetry): dir träumte meines toten früher antwort
( zebraesque post eines hornverloren gestreiften einhorns an ihr
gelegenheitsopfer : emotionslos-monotoner identitätsabgesang )

by Tony Caulfield, 31.07.2008

ich schulde nicht
dem licht
eine erklärung warum ich seiner abtrünnig geworden
mich selbst "ins gegenteil verkehrt"
wie du es nennst
warum ich "entehrt"
das "ideal" das meines wesens blosses sein einstmals verkörpert
?: denn kennt die nacht das licht
das niemals ist
auf jenem wegesteil der imaginären line einer illusion
die wir zeit nennen
auf dem nur die dunkelheit zu wandeln pflegt
geboren in sich selbst hinein
ersterbend in der geburt des wiederkehrenden lichtes .
mein licht ist nicht .
mein tod und meine geburt sind nahtlos verbunden
dunkelheit an dunkelheit gereiht .

?: wie soll ich mich erklären
beleuchten das erlöschen dessen
was ich in deinen augen einst gewesen
wenn nicht ein funke in mir ist
sich erinnernd
an etwas das nicht nacht
das nicht macht
ausgeübt
frei von mitleidsschimmer und blassem glimmen von gefühlen
das nicht freude
am leid das ich zeuge
nicht etwas anderes stets ist
als das
was der mensch in seiner narrenwelt
als hass gemeinhin unterstellt .

projeziere nicht
das licht
auf die lichtschluckende leinwand meines seins
deine fragende empathie ist ein leuchtender schlüssel
den ich absorbierend
in mir verlierend
hinter der wand des grossen nichts verschliesse
das du zu öffnen trachtest
in erwartung eines seienden in vollkommener leere .
dieses nichts bedarf des hasses nicht
um diesen aus sich selbst zu erzeugen
nicht der fähigkeit zur freude
an der zerstörung
um sich von den früchten dessen
das alles und sich selbst verwelken lässt
auf eine solche art zu nähren
die im garten deiner werte gänzlich unbekannt .
du fühlst mein hassen meinem handeln implizit
und suchst nach seinem kern
?: doch welchen ursprung braucht ein handeln
das nur ist
getan von einem geist der niemals fühlt
der unbewegt sich doch bewegt
dem bedürfen jeglichen motivs
das zu ersinnen deine phantasie in der lage sein mag
ganz und gar enthoben
nicht wertend seine tat
die eines nur zum ziele hat
dein ende
deine qual
was ich sende
ist mein mahl
ernähren ohne zu schmecken
das rezept nach dem ich deinen suizid zuzubereiten mir erdachte
kennt beweggrund nicht als boden
zusammenhang nicht als bindemittel
nachvollziehbarkeit nicht als belag
erklärbarkeit nicht als garnitur
verhältnismässigkeit nicht als das
was meinen hunger in relation zu deinen küchendüften stellen müsste
mein handeln war sein eigener zweck
das kochen selbst ist meine speise
es hätte jeder andere sein können
wer zu schmecken nicht imstande ist kennt kein leibgericht
aber du warst da
dein zustand halb gar
du hast dich auf ein silbertablett gelegt
und dich dem serviert
was ich bin
das wovon du sagst
ich wäre es geworden
du sagst
der grund meines wandelns
erklärt das motiv meines handelns
das ist das denken deiner welt :
"wie hätte man meinen appetit anregen müssen
um mich selbst zu solch masslosem frass zu bewegen?"

wir drehen uns im kreise
ich brauche keinen appetit um zu essen
das sagt ich dir bereits
dein tod wäre mir keine gaumenfreude gewesen
nur beiläufige nahrung
die mir in mein bittersüsses mäulchen
förmlich hineingewachsen ist
um mir dann halbzerkaut
ebenso beiläufig
doch noch aus den mundwinkeln zu rinnen
ich bedauere dein überleben nicht
denn ich kenne bedauern
sowenig wie die nacht das licht kennt .

doch du bestehst darauf
dass ich einmal licht gewesen sei
wie eine schimmelstute
deren herausragendes wesen
die opaken netzhäute deiner verblendung
derart durchleuchtet hatte
dass du das einhorn auf meiner stirn sehen konntest
unter meiner zebrafrisur
doch nicht die dunklen streifen
von denen du glaubst
sie haben sich später erst geformt .
du wünschst mir
dass dem was ich "heute" bin
nocheinmal helle linien leuchten mögen
auf diesem weg zurück dahin
wo keine erinnerung mir glimmt
doch sagt' ich einem deiner ach so hellen freunde
ein zebra habe schwarze und gelbe streifen
er würde auch das glauben
und dich für gefährlich farbenblind halten -
dies würd' ich nach belieben tun
weil ich dazu imstande bin
wissend dass ich lüge
ein geringer energieaufwand
denn ich erspare mir jede legitimation
vor dir
vor denen die ich täusche
und vor mir selbst .

gründe sind für die wurzeln da
worin mein "wandel" wurzelt
es interessiert mich nicht
?: ob ich es je wusste
und nur vergass
kümmert das .
ich bin die krone ohne stamm
hoch oben
erhaben über die biologische masse weit unter mir
leben hat keinen wert
fühlen kein anspruch auf ein gefäss
?: wüsste die baumkrone dass das gras
in seinem schatten frierend
empfindet
würde sie sich zu boden neigen
und erklären warum ihr sein
die dunkelheit bringt .
?: was kümmert mich ein jahresring mehr
der sowenig ist
wie meine nichtseiende erinnerung
an das pflänzchen dessen lichtbunte blüten
du noch heute zwanghaft im leuchten meiner werke zu finden suchst
"brillanz bedarf keines charakters" sagst du
"charakter" ist eine chimaere
selbstgeschaffen von jenen
welche sie zu tode zentrifugiert
im endlosen kreisel fühlenden rätselns
während ich linear vom boden eurer werte hinwegwachse .
dieses merkwürdige mädchen sagte einmal zu dir
man solle alte bäume zerstören
um freier atmen zu können
du hättest mich tausendfach fällen können
doch das monster deines gewissens
würde dich ewig daran hindern
umgeben von licht
möchtest du nicht nacht werden
mich lieber "zurück" in die sonne ziehen
die ich nicht "mehr" kenne
wie du dieses verwirrte mädchen zu analysieren suchtest
um sie davor zu bewahren zu dem zu werden
was ich "heute" bin .

dein zwanghafter trieb
motivlosigkeit begreifen zu wollen
ist deine schwäche
du würdest eher trillionenfach versuchen
mich von dem unkraut zu befreien
das mich in deiner vorstellung umranken muss
um solche auswüchse zu erklären
als auch nur einmal
die säge in die hand zu nehmen
doch mit jedem moment
in dem die "tragik meines niedergangs"
dein gefühlszersetztes denken bevölkert
triumphiere ich über dich
hätte ich gefühle mir zu sagen
wie sehr dein mitgefühl mit mir mich amusierte
der grad meiner belustigung
so ich empfinden könnte
wäre unendlich .

du liebstest meine persönlichkeit
abgöttisch
und dein selbstgeschaffener abgott
war die ikone all dessen
was in deinem eigenen
sogenannten "wertesystem"
positiv belegt war :
humor
( wie ihn niemand sonst
für das schwachsinnige format deines damaligen "ich" aufbringen konnte )
güte
( eine weitere chimaere der schwachen
die tochter des "gewissens" )
creativität
( als nichtkommerziellen "charakterzug" )
empathie
( ein weiterer illusionärer leviathan deiner "werte" )
unendliche innere und äussere schönheit
( letztere täuscht schwache wie dich
und deine "freunde"
die dich nun
kraft meiner lügen
für ein monster halten
leicht
nur allzu leicht
über die nichtextistenz ersterer hinweg )
charisma
( "zum guten gebraucht" )
und jedes weitere imaginäre ding
das glänzend dir erscheint
und nun denkst du
mein handeln habe bewiesen
dass ich zur verkörperung
des akkuraten gegenteils all deiner "ideale" geworden sei -
ich aber sage dir:
nicht einmal das .
wehre dich nicht dagegen
wenn deine freunde sagen
"ich kann mir nicht vorstellen
dass jemals auch nur ein funken gutes
in diesem menschen gewesen sein kann"
das gute existiert nicht .
?: "das böse
als reale grösse"
?: willst du mich von etwas befreien
das für mich sowenig existiert
wie dessen gegenteil .

ich bin die ich bin
?: soll ich das klagelied anstimmen
auf etwas
das ich in meinem jetzt
nicht bin
und niemals war
jemals zuvor :

bin herr- und sklavin meiner kraft ,
die böses wollend zwietracht schafft
und wissend rächt , was vollends ich verdreht ,
dass der mit mir zugrunde geht
von dem ich hassend falsches künde ;
nenn' liebe hass und was ihr sünde ,
sadismus , kurz , das böse heisst ,
entspringt nur meinem eig'nen geist .

ich bin der dunkle teil des weissen lichtes , das ich war ,
und nachtschwarze schattenstreifen sich gebar ,
um hellgrellst abzutrotzen der erinn'rung macht
das klagelied auf meines wesens einst'ge pracht ;
denn stets gelingt's ihr doch , da zäh ,
obgleich es nicht mehr lebt ,
mein damals doch am jetzt noch klebt .

ich will den weg zu deinem tod erkunden ,
bis du entleibt, mein werk vollenden stumm ,
so wir uns auf der ander'n seite wiederfinden ,
beweine mich, doch frag' mich nie warum .


wie melodramatisch .
deine frage nach dem "warum"
steht schwarz geschrieben
auf einem zebra
das nur schwarze streifen hat
hungerlos grasend
in vollkommener finsternis
dein schwaches licht
verschluckt von meiner nacht
kann niemals lesen
was nur in deiner vorstellung
notwendig existiert .


m_m_mir träumte einmal
wie es gewesen sein mochte
zu fühlen
damals
bei dem sturz
die schmerzen
vor dem nichts
sie sagten
mein gehirn hätte schaden genommen
doch meine gedanken
waren frei
sie konnten zielen
auf diesen oder jenen zweck
ohne sinn
oder bedeutung ...

ich erinnere mich meiner
nur einmal noch
dann gehe ich von mir
drum gehe auch du
erinnere dich an mich
wie ich einst war
nicht an das
was aus mir geworden ist
ich verschwinde im nichts meiner leere
ich erlösche in die dunkelheit meines selbst |


Writing || Lyrik (Lyric Poetry) | dir träumte meines toten früher antwort
( zebraesque post eines hornverloren gestreiften einhorns an ihr
gelegenheitsopfer : emotionslos-monotoner identitätsabgesang )

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