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Axotottel Copycat
by Helmut Hegemann, 14.02.2010
hey, ich bin der helmut hegemann, ich gehe in die 11. aufem rosenberg
und ich suche einen großverleger fürs verlegen von meinem ersten
buch "axotottel copycat".
bewerbungen bitte durch email an diese email:
der-papa-des-kopisten@spaessle-gemacht.de
unten eine leseprobe. hoffe ihr findet das voll geil ! lg, helmut
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"Du solltest diese bösen Geschichten mit soviel Dada mischen wie
möglich, das ist discordianischer, es ist Wallen's Dienstag, es
herrscht eine neue Inspirationschimaere. Zieh!"
Der Kopist wußte, daß das Axotottel recht hatte, brachte das vom
gelben Hoover-Staubsauger abmontierte Rohr zwischen seinem zweiten
Nasenloch und der herzförmigen Line auf dem nach Anleitung eines
Kinderkochbuchs gegrillten Spiegelei in Stellung und zuckerte
sich das neuronale Netz anderthalb Gramm näher an die Mentalzirrhose.
Fragmente seines copy&paste&distort-kompositorischen Neuwerkes
in-utero-mens-insana mit Pseudoarbeitstitel morbus dadapoetica
flimmerten über die Ph@screen seines Belinea Klotzitors aus einer
Zeit als Kulenkrampf noch an der Medialmacht war:
Mit gerade(n) lesenden Blicken stoße ich zwischen den Zeilen
hindurch bis zur Rückwand Deines Abgrundes vor. Ich wünschte auch
ich könnte schielen, wie ein brillanter gegangener Geist, um in
diesem einen Blickstrang gleichsam zu gewahren was oder wer wohl
dahintersteht und Dich ganz allmählich nach vorne schiebt in diesem
Netz unerkannter Bedeutungen. Substanz und deren Ursprung als
Diptychon. Hast du die Strahlkraft in mich zurückzublicken?
Der Kopist nahm die brennenden Augen schleppend vom Text weg,
erhob die bei QVC tele-ershoppte Pipette über seine Zungenspitze
und tröpfelte etwas Laudanum darauf. Es war evident. Zwischen
zwei Rosenthalschen Spitzensprüngen auf anachronismus.tv hatte
er zielsicher den Blindfaden seiner Ursprungsidee verloren.
Irgendwas mit LitSat, ScribeSpoof, ParoTainment hatte es werden
sollen. Von dem Roman dieser 16-jährigen Frührentnerin mit zuwenig
Blut im Phencyclidine hatte ihm die D. neulich noch zwischen zwei
Sekt und einer Tüte berichtet. Doch er wollte diese Maxi-Scrabble-Packung-Inhalts-Ausschüttungs-Abtippung,
vom Randomizer editiert und vom Random House verlegt nicht wirklich
lesen.
Dann lieber was da schwarz auf weiß auf ganzganzblaßlila in die
Ecke eines Hinterzimmers der Phreakzone des Internetz gekackt
worden war. Nun war ihm die Site wieder über den eher ziellos
entlanggebrowsten Virtualweg gelaufen und hatte ihn ohne Vorwarnung
geistwuschig gehauen.
Hab ja damals schon nicht ganz durchgeblickt worum es genau gehen
sollte, sagte sich der Kopist während er die Gras-Kratom-Thymian-Tüte
zwischen die dehydrierten Lippen steckte. Ein Wust undefinierter,
teils betont geschlechtsunspezifischer Prota- und/oder Antagonist(inn)en,
die surreale Träume von Unappetitlichem haben, das da auf Rudi
Carells laufendem Band vorbeifährt.
Dann war da dieser vom Leben zerrätselte Dadaist, der fast schon
in Irland oder Schottland (Ort und Navi hatte er vergessen) auf
den Spuren der höchstwahrscheinlich nur erfundenen Autorin M (wie
man den vollen Namen buchstabiert konnte er sich nie merken) wandelte
und auf dem Weg zu Hallmark von einer fremden jungen Frau (mit
buntem Schal), mittels spitzer Feder vergiftet wurde. Das war
auch am Walkürendienstag gewesen, 2016. Und überhaupt waren das
die Schlimmsten, die mit den bunten Schals.
"Ja, ja", sagte das Axotottel gespielt mitleidig, und rezitierte
die ersten Zeilen eines Gedichtes auf einer kryptischen Postkarte
von `62:
"Rosen sind rot, Füchse sind violett..."
Ob die Bedeutung mit einem ungeboren-inhärenten Sinn schwanger
war blieb fraglich. Wo war die Po-Ente? Köpfchen in die tiefen
Wasser...
"Aber so ist das immer bei dir", sagte das Axotottel, "mit deinen
Mentalerektionen. Buchstaeblich seltsam, wie du von einem Bösgeist
im Internetz zum anderen kommst und Schönheit zwischen die Zeilen
projezierst. Du brauchst keine neue Kapitana, mein Freund! So
weiß kann niemand heißen, daß keine schwarzen Streifen auf der
Seele zu finden wären. Zebraesque nahm diese Entdeckung ihren
Anfang (aller Anfang ist schwermütig) und streifenfrei wird es
nicht enden. Das Ende ist oft schrecklich, das sagt schon Baron
Lefuet zu Tim Thalers Papá, bevor der mit dem Flieger in den Rasen
crashte."
Der Kopist fuhr fort sich die Wunden zu lecktorieren:
Dein Name ist mir leer. Eine hohle Hülle, standhaft vertikal,
hinter der sich kauernd etwas verbirgt das schwer zu beziffern
ist. Er birgt keine der Antworten die zu suchen ich schon lange
müde geworden bin, läßt mich weder geblendet den halb zugekniffenen
Geist vor deiner Weißheit abwenden noch strammstehend salutieren.
Du spielst mit dem bildhaften. Wo soviel Rauch zwischen den Zeilen
dröhnt mag noch der Schall unbeantworteter Fragen ausklingen.
"Stöööhn", stöhnte der Kopist seinen Selbstkommentar.
"Tsss...", zischte das Axotottel aus der Wechselrotation seines
Bewußtseins herüber.
"Mindfuck! Ganz großes "Mindfuck"! Von Böstexten wildfremder
Leute im Internetz bezirzen lassen und dann dieses Geschreibsel
auskoten! Als hätte es eine Basis, für die du eh keine Spitze
zum draufsetzen hast, eine zweidimensionale Pyramide die, sich
hochkant aufbäumend, gleich wieder auf den Boden zurückklatscht
bevor du dein Auge durchsteckst damit die von der anderen Seite
dir die Klinge durchziehen wie einem andalusischen Pudel und rumerzählen
du hättest gebellt wie dem Earl von Staffordshire sein Hasso.
Ja, muhaha, die sind alle ein Network, die Schweißachsel des Eher-Doof-als-Bösen,
voll müffelnder Angst vor ihren eigenen Fehleinschätzungen und
der mit zwei Swatch-Xs vom Resthuf abgegrenzten Hand an ihren
Seelenstrippen. Am PC spielend, an Mario's nettem Tisch, marionettisch
eben, püppig, hysterisch, trullaesque..."
Der Kopist nahm einen Schluck Absinth und hörte dem Axotottel
nicht mehr so wirklich zu. Im TV öffnete Dieter Bohlen gerade
seine Gesichtsspalte und entleerte den Darm über einen von P.T.
Barnum's Restbeständen.
Die Augen des Kopisten flimmerten den Bildschirm an. Er hatte
sich drei Meter vor der Selbstreflexion in die Verzückung eingeführt
und lektorierte weiter das Endprodukt dieser Kopulation.
Was bedeutet Deine Präsenz, schwarz auf weiß, inmitten des
bunten Schals von gellender Dumpfheit, die sich wie ein Henkersstrick
um den Schwanenhals eines virtuellen Ozeans legt, einst bevölkert
nur von den wenigen Häretikern, die sich irgendwann anschickten
Bilder ins junge Fleisch des Hypertext zu schneiden? The tide
is high - mach fahle Wellen im Honigmeer der Gezeiten. Du bist
kryptisch in Deinen Mordphantasien. Wer von deinen Ichs ist die
Chimaere? Hast Du inzwischen gelernt Kannibalismus von Satire
zu unterscheiden?
An der Tür klingelte es. Es war der IHK-Zetiskonfitüre-Mann, der
dem Kopisten ein Seminar verkaufen wollte "wie man klebrig ist".
Das paßte nun aber gerade gar nicht.
Zurück im Arbeitszimmer machte er sich erstmal einen Erdbeercolada,
steckte eine neue Tüte an, warf eine Zyprexa ein, streuselte MDMA-haltiges
Pulver obendrauf und steckte sich eine Ricola in die gepuderte
Nase.
Er blickte wieder auf den Schirm...und spürte wie die Melancholie
ihn sanft einlullte. Das Axotottel hatte in seiner (Geistes)Abwesenheit
etwas geschrieben das irgendwie ein Stilbruch war. Wohlmeinend,
bemüht poetisch aber stilbrecherisch.
Traurig war sein letztes Stück des Weges. Du hättest ihn nicht
retten können, sterbend am Tod und am Leben. Nein, sei nicht erbost
mit mir. Ich berausche mich lediglich an Deinen literarischen
Figuren. Fritz Lang hätte zur Kreide gegriffen. Dir schlage ich
mit unbefleckter Hand anerkennend auf die Schulter.
So kam es, daß niemand im Lande jemals wissen sollte wer M war,
denn kein Hinweis war jemals auf irgendeinem Trenchcoat (unter
dem Buntschal) erblickt worden, kein Buch eines Berliner Bloggers
erwähnte sie je und die Jungen sollten nicht wissen, wo die Dinge
zu finden sind, die verknüpft sind mit so ner Art von Handarbeitszeug,
und die jene Väter erst um acht Uhr am vorherigen Abend dort hingelegt
hatten, kurz vor Glockenschlag.
Außerdem gab es die nie und niemals überhaupt irgendwas aus dem
Roman, weil nämlich der Kopist hatte das alles total selbst ausgedacht
und erfunden! Und wenn nicht, dann ist das ja auch total legitim,
weil man ja heute, nach den Nullerjahren, auch an das Schreiben
von einem Roman eher regiemäßig drangeht, sich also überall bedient,
wo man Inspiration findet.
Dann gehste halt hin und sagst "Papa, guck mal, ohne Eigenleistung!
Ich bin ein Wunder!" und gut is.
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