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Lesung: Wo sich Erwachsene gruseln dürfen veröffentlich
in Die Rheinpfalz, 03.11.2008,
Artikel von Anna Hahn Halloween hat sich zu einem Brauch entwickelt.
Während die Kinder schaurig maskiert und auf der Suche nach Süßigkeiten um die
Häuser ziehen, gruseln sich die Erwachsenen gerne bei Motto-Partys. Oder auch
bei einer Halloween-Lesung, wie sie am Freitag in der Lauterer Galerie "fingerspitzundkunst"
stattfand. Dort präsentierte der junge Künstler Tony Caulfield Auszüge aus seinem
"Buch
des Wahns" und Bilder in passendem Ambiente.
Es war sicherlich berechtigt,
die Lesung erst ab 18 Jahren freizugeben. Tony Caulfield, dessen Künstlernachname
tatsächlich an den Protagonisten aus dem Roman "Der Fänger im Roggen" angelegt
ist, schreibt nämlich Horror-Fantasy-Geschichten mit so genannten Splatterpunk-Elementen.
Das sind explizite Schilderungen von Gewalthandlungen bis hin zur Ermordung einer
Romanfigur. Auch in der von ihm (gekürzt) vorgetragenen Erzählung "Der Schal"
aus dem "Buch des Wahns" werden ziemlich viele Körperteile malträtiert. Inhaltlich
ist das natürlich Geschmackssache. Zartbesaiteten Gemütern oder auch Lesern
mit einer ausgeprägt plastischen Fantasie dürften solche Passagen arg zusetzen.
Aber auch sie müssen dem 34-jährigen zugutehalten, dass er die detailreichen Darstellungen
nicht um ihrer selbst willen bis ins Äußerste ausreizt. Sie sind vielmehr kurze,
im Film könnte man sagen: schnell geschnittene Sequenzen, die den Gruselfaktor
für einen Moment bis zum Anschlag hochfahren.
Ansonsten versteht es Caulfield,
über gegensätzlich angelegte Charaktere und eine dynamische Erzählstruktur eine
fesselnde Geschichte zu entwickeln. Ein paar junge Studenten, unter ihnen die
schöne und introvertierte Alwella und der mysteriöse Staffordshire, sind seine
Protagonisten. Sie geraten zwischen die Fronten des uralten Kampfes zwischen Gut
und Böse, hier vertreten durch den "Lichternen" und "Seine Pestilenz". Objekt
der Begierde ist ein Schal, der im Magen einer Leiche entdeckt wird und magische
Kräfte besitzt. Caulfield gelingt es, durch rasche Orts- und Szenenwechsel Spannung
aufzubauen und seinen Figuren ein jeweils eigenes sprachliches Register mitzugeben.
In
seiner Lesung setzte er diese charakteristischen Eigenheiten auch gekonnt um.
Gelungen auch die Anspielungen auf spätere Entwicklungen, die der Autor auf den
ersten Seiten wie Indizien ausstreut. Zur düsteren Atmosphäre trugen die ausgestellten
Bilder bei, auf denen Caulfield
in kräftigen Farben bedrückende Emotionen visualisiert.
Writing
|| Articles | "Lesung:
Wo sich Erwachsene gruseln dürfen." Die Rheinpfalz article on Tony
Caulfield's reading at the art gallery fingerspitzundkunst, on Halloween 2008.
By Anna Hahn. (German language)
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